Babyfreundliche Apotheke

Kundenmagnet: Stilltee ohne Fenchel

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Berlin -

Vor-Ort-Apotheken haben die unterschiedlichsten Möglichkeiten, Schwerpunkte zu setzen. Eine Möglichkeit ist die Zertifizierung als Babyfreundliche Apotheke. Das Konzept ziehe nicht nur Familien an, sondern bringe laut Inhaberin Sarah Mast aus der Schellenberg-Apotheke in Hüfingen noch ganz andere Effekte mit sich. „Es ist Teil des Gesamtkonzepts, dass man individuelle Konzepte erarbeitet und mit Familien, Hebammen oder Kliniken zusammenarbeitet.“

Der Verein Babyfreundliche Apotheke wurde 2007 mit sechs Gründungsapotheken ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist es, Ihnen das Rüstzeug an die Hand zu geben, damit Sie und Ihr Team werdende und junge Eltern auf fachlich höchstem Niveau beraten“, betont der Verein. Die Basis der Zertifizierung bilde die in einem QM-Handbuch formulierten 12 Beratungsstandards.

Vernetzen durch Zertifizierung

„Es ist Teil des Gesamtkonzepts, dass man individuelle Konzepte erarbeitet und mit Familien, Hebammen oder Kliniken zusammenarbeitet“, weiß Inhaberin Sarah Mast. Ihre Schellenberg-Apotheke in Hüfingen ist bereits zertifiziert.

Das Unterstützungsangebot könne von einer Stillberatung über Milchpumpenverleih hin zu Erkältungsvorträgen für Familien reichen. Viele zertifizierte Apotheken gebe es in ihrer Umgebung nicht. „Zwischen Freiburg und Stuttgart sind wir die einzige.“ Insgesamt gibt es derzeit knapp über 60 zertifizierte Apotheken. Darüber hinaus können sich Teammitglieder auch einzeln als „Fachberater:in für Schwangerschaft & Babyzeit“ zertifizieren lassen.

Diese Zertifizierung sei keineswegs geschenkt, erinnert sich die Apothekerin. „Die mündliche Abschlussprüfung hat für jeden zwischen 45 und 60 Minuten gedauert.“ Mit der Übernahme der Apotheke Anfang 2025 sei für Mast klargewesen: „Ich will eine Baby- und familienfreundliche Apotheke haben.“

Damit ende das Fortbildungskonzept allerdings nicht. „Jährlich müssen zehn Fortbildungspunkte gesammelt werden, um die Zertifizierung zu behalten. Ein Punkt entspricht dabei 45 investierten Minuten.“ Diese könnten ganz unterschiedlich gesammelt werden. Eine Möglichkeit sei, Vorträge für Kund:innen zu halten. „Das ist unser Weg, Fortbildungspunkte zu sammeln.“

Ansprechpartner sein

Gerade mit einem Neugeborenen hätten junge Eltern viele Fragen; Hebammen seien immer rarer gesät. Hier könne die Apotheke einspringen und unterstützen. „Es ist dann einfach schön, wenn man einen persönlichen Ansprechpartner hat oder einfach anrufen kann, wenn man eine Frage hat“, findet die Inhaberin, die auch selbst Mutter ist.

Thematische Schwerpunkte könnten sich Apothekenteams selbst setzen. „Wir haben uns zum Beispiel überlegt, dass uns auch Familien mit größeren Kindern wichtig sind.“ Zu Halloween habe das Team beispielsweise eine Maskenbastelaktion gestartet und mit den Kindern gemeinsam Badebomben in der Rezeptur hergestellt. „Auch das kann zum Gesamtkonzept gehören.“

Alleinstellungsmerkmale schaffen

Die Zertifizierung habe sich für die Schellenberg-Apotheke gelohnt – auch betriebswirtschaftlich. „Gerade unser eigener Stilltee und unser großes Sortiment der Bahnhofapotheke Kempten veranlassen viele Hebammen dazu, ihre Patientinnen zu unserer Apotheke zu schicken.“ Vom Stilltee habe die Schellenberg-Apotheke mittlerweile eine ganze Charge verkauft. „Der ist ohne Fenchel, wegen des Estragols.“ Von Kund:innen heiße es deshalb nur „der Stilltee ohne Fenchel, bitte“.

Auch in Umfragen und Online-Bewertungen der Apotheke schlage sich der Zuspruch der babyfreundliche Ausrichtung merklich nieder. „Es hat sich auch herum gesprochen, dass wir uns in diesem Themenbereich sehr gut auskennen und auf die Beratung in Schwangerschaft und Stillzeit spezialisiert sind.“

Angebot ausgebaut

Die Zertifizierung habe sich derart gelohnt, dass die Schellenberg-Apotheke ihr Sortiment weiter ausgebaut hat. „Wir haben beispielsweise die Produktabverkäufe der Bahnhofapotheke 2023 und 2024 – wo wir dann voll zertifiziert waren – verglichen. Die Sachen werden deutlich mehr nachgefragt – und das bringen wir mit der Zertifizierung in Verbindung.“

Auch anhand der Anlegung neuer Kundenkarten könne Mast den Erfolg ablesen. „Bei uns bekommen Familien mit Kundenkarte eine Babybox geschenkt, wenn sie ein Kind bekommen.“

Zum Bekanntheitsgrad Konzept hätten auch ein eigener Flyer mit allen Leistungen rund um Schwangerschaft, Stillzeit, Geburt und Babyzeit beigetragen, den das Apothekenteam an die umliegenden Hebammen verteilt habe.

Darüber hinaus sei die Schellenberg-Apotheke gut vernetzt: „Wir arbeiten mit La Leche Liga zusammen und verweisen bei Stillprobleme gerne auf die Stillberaterinnen, bei denen wir selbst ein Praktikum absolvieren durften.“ Die Ideen entstehen laut Mast im Team: „Eine Kollegin hat die Vorträge vorgeschlagen, eine andere den Tee. Das mache ich ja nicht alles selbst, das ist mein Team.“

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